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SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach will Kauf von Tamiflu stoppen

News von LatestNews 969 Tage zuvor (Redaktion)

Karl Lauterbach
© über dts Nachrichtenagentur
Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) will die Pflicht von Bund und Ländern, große Mengen teurer Grippemittel wie Tamiflu einzulagern, "so schnell wie möglich abschaffen". Dies berichtet der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Noch ist im nationalen Pandemieplan vorgesehen, dass diese Medikamente für 20 Prozent der Bevölkerung vorgehalten werden sollen, wofür schätzungsweise bereits ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben wurde.

Vorige Woche jedoch kam eine Auswertung wissenschaftlicher Studien durch die renommierte Cochrane Collaboration zu dem Ergebnis, dass die antiviralen Mittel weitgehend wirkungslos seien, zugleich jedoch gefährliche Nebenwirkungen haben könnten. "Jetzt muss schnell gehandelt werden", sagte Lauterbach dem Magazin. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass die hoch relevanten Ergebnisse der Cochrane-Untersuchung in die derzeitige Überarbeitung unseres Pandemieplans einfließen." Während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 waren Experten noch davon ausgegangen, dass sich durch Tamiflu zumindest Lungenentzündungen und eine Infektionsausbreitung verhindern ließen. Später deckten Cochrane-Wissenschaftler zusammen mit dem "British Medical Journal" auf, dass der Hersteller Roche etliche Studiendaten gar nicht veröffentlicht hatte. Die neue Untersuchung, in die auch bislang zurückgehaltene Daten eingeflossen sind, zeigt nun, dass Tamiflu bei Grippekranken lediglich die Dauer der Symptome um knapp 17 Stunden verkürzt. Ob es Ansteckungen verhindern kann, ist fraglich; zudem können erhebliche Nebenwirkungen auftreten, darunter psychiatrische Symptome. In einer Stellungnahme widerspricht die Firma Roche der Cochrane-Gruppe, diese ziehe aufgrund klinischer Studien Rückschlüsse auf die Situation einer Pandemie. Lauterbach im "Spiegel": "Auch ich gehörte früher zu den Befürwortern der Einlagerung, aber ich habe meine Meinung geändert. Jetzt müssen wir verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Pharmafirmen müssen gezwungen werden, alle Studienergebnisse sofort zu veröffentlichen."

© dts Nachrichtenagentur





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