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Ernährungsindustrie kritisiert Politik und Verbraucherschützer

News von LatestNews 1885 Tage zuvor (Redaktion)

Einkaufsregal in einem Supermarkt
© dts Nachrichtenagentur
Die deutsche Ernährungsindustrie übt scharfe Kritik an Verbraucherschützern und der Politik. "Die Branche hat es satt, immer der Prügelknabe zu sein", sagt Jürgen Abraham, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). "Lebensmittel waren in Deutschland noch nie so sicher wie heute. Aber einige vermeintliche Verbraucherschutzorganisationen leben halt davon, Dinge aufzubauschen und zu skandalisieren. Das ist deren Geschäftsmodell", schimpft der Branchenvertreter.

Mittlerweile werde in der Öffentlichkeit ganz bewusst das Bild erzeugt, die komplette Branche sei kriminell. "Dieser Generalverdacht verunsichert völlig zu Unrecht die Verbraucher und diffamiert unsere Industrie in übelster Weise." Abraham macht allerdings eine Unterscheidung. Er habe großen Respekt vor den Verbraucherschutzzentralen der Bundesländer und dem Verbraucherzentrale Bundesverband. "Die sind in meinen Augen demokratisch legitimiert und haben eine wichtige Aufgabe", begründet der Unternehmer. Für Organisationen wie Foodwatch, Peta oder Greenpeace dagegen gelte das nicht. "Von denen werden Sachverhalte völlig überzogen dargestellt, Einzelfälle zu einer verallgemeinernden Skandalisierung genutzt und dann geschäftsmäßig vorgetragen. Leider fällt die Politik immer wieder auf das Geschrei herein und lässt sich zu Reaktionen wie dem Internetpranger "Lebensmittelklarheit" hinreißen", schimpft Abraham. Das sei enttäuschend. Die Branche fühle sich von der Politik im Stich gelassen. Vor allem das neue Internetportal "Lebensmittelklarheit" erzürnt Abraham. "Es gibt transparente rechtliche Verfahren, Politik via Internetplattform ist eine Bankrotterklärung des Rechtsstaates", meint der BVE-Vorsitzende. Legale Täuschungen wie sie bei "Lebensmittelklarheit" aufgelistet werden sollen, könne es nicht geben. "Entweder ist etwas legal oder es ist illegal. Mit der Plattform stellt der Staat letztlich seine eigenen Regelungen in Frage." Subjektives Empfinden Einzelner werde durch beifällige Kommentare der Plattformbetreiber zum Maßstab für das erhoben, was rechtens sein soll. "Ich halte das für sehr gefährlich", sagt Abraham. Aus Sicht der Lebensmittelindustrie lässt sich die Politik in diesem wie auch in zahlreichen anderen Bereichen von Verbraucherschutzorganisationen treiben, etwa in der Frage der Gentechnik. "Es muss die Frage erlaubt sein, ob wir in Deutschland Gentechnik weiterhin so vehement ablehnen, ja sogar verteufeln sollten wie bisher", sagt Abraham. Selbst wenn die Gentechnik nur einen kleinen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung leisten könnte, muss man bei der Suche nach Lösungen auch diesen Bereich im Auge behalten. Abraham wünscht sich eine deutlich objektivere Landwirtschaftspolitik. "Teilweise ist es schon haarig, wie die Lebensmittelindustrie gegängelt werden soll und auch schon wird." Aber Populismus sei eben einfach und beliebt. "Umfragewerte scheinen wichtiger als ein verantwortungsbewusster Umgang mit Zukunftsfragen", wettert Abraham. Die Konjunkturlage in der Lebensmittelwirtschaft ist derzeit ausgesprochen gut. Nach den ersten neun Monaten steht ein Plus von neun Prozent auf 122 Milliarden Euro zu Buche. Sorgen bereitet den Unternehmen allerdings die Euro-Schuldenkrise. "Wer Kunden in den EU-Krisenländern hat, sorgt sich natürlich um die Zahlungsfähigkeit seiner Abnehmer", beschreibt Abraham. Gefahr bestehe aber auch für die Branche insgesamt. "Bekommt die Europäische Union die Schuldenkrise nicht in den Griff, wird auch die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland Schaden nehmen."

© dts Nachrichtenagentur





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